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Weerberger Möbel

Seit dem späten 17. Jahrhundert entwickelte sich, nicht zuletzt durch die geografische Verbindung vom Zillertal bzw. Tuxertal nach Weerberg in Anlehnung an die älteren Zillertaler Mäbel, auch am Weerberg ein eigener Möbelstil. Der ehemalige Restaurator im Tiroler Volkskunstmusem, Hans Knapp, entdeckte in seiner Heimatgemeinde Weerberg bemerkenswert bemalte Truhen und Kästen, die er mit Tuxer Möblen in Verbindung brachte. Bald fand er heraus, dass diese Möbel auf den Berghöfen zwischen Hall und Schwaz sich klar von den bemalten Möbeln des benachbarten Zillertal unterscheiden und er nannte diesen Typus Weerberger Möbel. Auf der Vorderseite einer Truhe, die sich im Volkskunstmuseum befindet (Iventarnummer 17.031), steht zu lesen:

Margaretta Lindt
nerin an werperg
16 91


Damit wird nicht nur Architektur und Malerei des Typus Weerberger Möbel vollkommen entsprochen, sondern es ist bisher überhaupt die älteste bekannte Jahreszahl eines Möbels uas Weerberg. Drei wesentliche Merkmale zeichnen die Weerberger Möbelgruppe aus: Die Truhen - und nur die Truhen dieser Gegend - haben einen vollkommenen ebenen Deckel. Truhen und zweitürige Schränke stehen überwiegend auf Sockeln, kleine Kästen haben Rübenfüße, manche Truhen haben aber auch stehende Seiten. Die Architektur der Schauseite ist von relativ starken Profilleisten bestimmt. Das schmale Mittelfeld der Truhe ist durch einen Quersteg im verhälnis 2 : 1 unterteilt. Es sind weder geschuppte Leisten, noch geschuppte Bogenzwickel zu finden. Die Bogenfelder sind nur selten auf der Oberseite von einem Konsolfries gerahmt. Die florale Malerei ist auf weißem Grund aufgebracht, Leisten sind mit Kammzug, die Seitenwände manchmal auch mit Kleistermalerei versehen.

Josef Ringler und Franz Collesselli nennen Vorlageblätter und Musterbücher aus Südwestdeuschland als Quellen der volkstümlichen Möbelkunst. Die Kunst der Intarsia animierte die Volkskünstler zu gemalten Kopien, die sich bald verselbständigten. Truhen mit ebenem Deckel und Schablonenmalerei auf Blankholz sind bekannt. Gerade auf den Weerberger Möbeln lassen sich die Wirkungen dieser Musterblätter, bis zu Unkenntlichkeit variiert, verfolgen. Arabesken in den Felderzwickeln und in den Schmalfeldern bekommen ein ebenso erstaunliches Eigenleben wie das Rollwerk zu beiden Seiten der Vasen in der Feldermitte. Auch die Blumen, Blüten und Früchte sind längst nicht immer genau erkennbar. Mit Sciherheit aber sind Nelken, Tulpen, Kaiserkronen, Glockenblumen, Maiglöckchen (in rot), Granatäpfel, Birnen, blaue Trauben, Eicheln und Zwiebeln, die allerdings auch Feigen sein könnten, zu erkennen.

Das typische Merkmal von Zillertaler Möbeln des 18. Jahrhunderts, Jagdszenen mit Jägern, Wild und Vögeln, ist auf Weerberger Möbeln nicht zu finden. Ganz selten sind immerhin Vögel auf den Truhen dargestellt. Als religiöse Symbole finden sich die Monogramme Christi und Mariens, das Herz Jesu und die drei Kreuzesnägel.

Zu Ende des 18. Jahrhunderts verlieren sich die Spuren des Weerberger Möbels mit der sehr strengen Architektur von Truhen, Kästen und - seltener - Betten. Der Allerweltsstil löste die strengen, mächtigen Möbel des 18., aber im Stil des 17. Jahrhunderts gebauten und bemalten Möbel ab.

Einiger dieser Möbel blieben dem Museum Rablhaus erhalten und können dort besichtigt werden. Ein weiteres Prachtstück ist im Gang des Gemeindeamtes zu sehen!
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+43 5224 68260
 
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